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Tierarztpraxis Schiele, Rosenheim Tierarztpraxis Dr. Schiele
Fachtierarzt für Kleintiere | Kardiologie

Lackermannweg 4
83071 Stephanskirchen
Tel: 08036-3033473
Fax: 08036-3039474


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Steckbrief Wellensittich

Fütterung

  • Körnermischungen für Wellensittiche sollten in einer flachen großen Schale angeboten werden, um die Futteraufnahme überprüfen zu können. Auf eine Jodergänzung im Futter ist zu achten. Hanfanteil im Futter sollte nicht mehr als 5% betragen, Grundmischungen bestehen aus Hirse, Glanz und Negersaat
  • Kontrollieren Sie bitte die Fertigfuttermischungen für Papageien, die im Handel angeboten werden:
    • Staubfreiheit
    • Verfallsdatum oder Abfülldatum muss angegeben sein
    • Verunreinigung mit Nussmotten
  • Füttern Sie von einer Körnermischung pro erwachsenen Wellensittich nur einen Teelöffel voll. Sonst besteht eine zu große Gefahr, dass die Tiere schnell verfetten.
  • Eine Fütterung über Futterspender ist grundsätzlich abzulehnen!
  • Wenn Sie Kolbenhirse anbieten, so sollte maximal eine halbe Rispe pro Vogel angeboten werden. Bitte nehmen Sie an diesen Tagen das normale Körnerfutter aus dem Käfig.
  • Täglich muss angeboten werden:
    • frisches nicht gespritztes Obst (Äpfel, Bananen, Weintrauben, Melonen und andere exotische Früchte, ...)
    • unbehandeltes Gemüse (Karotten, Paprika, Zucchini, Mais, Erbsen, Gurken, rote Beete ...)
    • Grünfutter (z.B. Vogelmiere) und Salate, auch Vogelgras
    • Sehr gut eignen sich auch Vogelbeeren, Mehlbeeren. Für den Winter können diese wild wachsenden Früchte gut tief gefroren gelagert werden.
    • Wilde Gräser und Kräuter, auch z. Bsp. Löwenzahn
  • Ergänzend können gekochte Nudeln (auch roh), Kartoffeln, Reis, Naturjogurt, Quark, gekochte Eier usw. in kleinen Mengen angeboten werden.
  • Eine Kalziumquelle (Sepiaschalen, Kalkgrittstein, Muschelkalk in einem Schälchen) sollte immer zur Verfügung stehen. Eine Versorgung mit Vitaminpräparaten ist bei abwechslungsreicher Fütterung meist nicht erforderlich.
  • Verzichten Sie auf alle gesalzenen (sehr problematisch für Ziervögel - besonders Chips, Salzstangen, Wurst, Hart- und Weichkäse) und gewürzten Speisen.
  • Trinkwasser muss täglich frisch und in ausreichender Menge angeboten werden. Handelsübliches Mineralwasser ist gut geeignet. Trinkschalen häufig mit heißem Wasser reinigen, um Algenbildung zu vermeiden.

Lebenserwartung und Ursprung10-14 Jahre, auch bis über 18 Jahre möglich; Ursprung: Die offenen Landschaften und Savannen Australiens
GeschlechtsreifeMit 3-6 Monate; bei den Jungtieren reicht die Wellenzeichnung am Kopf bis weit nach vorne in die Stirn.
Schutzstatus:Ausfuhrverbot für Australien, deutsche Nachzuchten unterliegen keiner speziellen Schutzbestimmung, jedoch einer Kennzeichnungspflicht (Psittacose-Verordnung)
BrutzeitWellensittiche benötigen einen Nistkasten. Gelege bestehen aus 4-6 Eiern. Brutzeit beträgt ca. 18 Tage, die Jungtiere verlassen mit 4 Wochen das Nest und werden weitere 4 Wochen von den Alttieren versorgt
Gewicht30-40 Gramm Körpergewicht, bei Standartwellensittichen 45-60 Gramm
Normale Körpertemperatur40-41° C
Herzfrequenz300-600/ min
GeschlechtsbestimmungGrüne Nominatform: Männchen meistens blaue Wachshaut, Weibchen braune Wachshaut mit weiß umrandeten Nasenlöchern, Durch die Vielen Farbvariationen gibt es hier aber auch weniger deutlich ausgeprägte Unterschiede

Bitte beachten Sie: Dieser Tiersteckbrief will Ihnen nur die wichtigsten Basisinformationen zur Verfügung stellen. Eine eingehende Beschäftigung (Lesen von weiterführender Literatur, Diskussionsforen im Internet) bei Kauf und Haltung von Papageienvögeln ist notwendig. Ziervögel leben in vollständiger Abhängigkeit von ihrem menschlichen Halter! Ein verantwortungsvoller Umgang und genaue Kenntnis der Haltungs- und Lebensbedingungen ist zur Gesunderhaltung der Tiere unerlässlich.

Vorsorge

  •  Impfungen werden bei Wellensittichen nicht durchgeführt. Neu erworbene Tiere sollten auf Ernährungszustand, Gefiederqualität und Lebhaftigkeit im Verhalten untersucht werden.
  • Eine tägliche Kontrolle der Futteraufnahme und des Kotabsatzes (Menge, Form, etwaiger vorhandener Geruch und Beschaffenheit) ist sehr wichtig.
  • Wellensittiche mausern sich 2xjährlich mit teilweise dramatischen Federverlust. In dieser Zeit sind die Tiere besonders anfällig gegenüber Erkrankungen.

Besonderheiten

  • Vögel leben mit einer strengen Hackordnung. Um diese Rangordnung aufrecht zu erhalten, überspielen Vögel evtl. Krankheitssymptome so lange wie möglich. Zeigt ein Vogel ernstzunehmenden Krankheitssymptome wie gestörte Futteraufnahme, Plustern, vermehrte Schläfrigkeit, Verlust der Stimme, veränderte Kotausscheidungen oder ähnliches, so liegt eine ernstzunehmende Erkrankung vor! Nur eine rasche Vorstellung beim Tierarzt gibt hier gute Heilungschancen. Ein zu langes Abwarten (leider oft bis der Vogel nur noch am Käfigboden sitzt) reduziert den möglichen Erfolg einer Behandlung erheblich oder macht ihn gar unmöglich. Bitte reinigen Sie Ihren Käfig 24 Stunden vor einem geplanten Tierarztbesuch nicht mehr!
  • Ein Vogel scheidet Kot, Urin und Harnsäure gemeinsam aus. Die normale Kotfarbe kann je nach Futter von grün über rot nach braun wechseln. Im Normalfall wird nur wenig Urin ausgeschieden und die Harnsäure als weißer Anteil dem Kot beigegeben.
  • Kranke Tiere zeigen nicht selten:
    • eine längerfristige erhöhte Wasserausscheidung (Flüssigkeitssee um geformtes Kotwürstchen)
    • Durchfall (ungeformter matschiger Kot)
    • verfärbte Harnsäure (gelb oder grün statt weiß)
    • sichtbare Spuren von Blut oder Schleim
    • unverdaute Körnerbestandteile im Kot
    • schmatzende Geräusche beim Kotabsatz
  • Jeglicher unangenehme Geruch von Sittichkot ist ein Hinweis auf eine mögliche Erkrankung.
  • Einstreu aus einem Gemisch mit Sand und Muschelkalk sollte wegen der Verschmutzung mit eigenem Kot nicht verwendet werden.
  • Sand als Käfigeinstreu ist weniger gut geeignet, da eine ordentliche Beurteilung des abgesetzten Kotes erschwert wird.

Haltung

  • Wellensittiche sind im Allgemeinen robuste Tiere. An ihre Pflege und Haltung werden keine besonderen Ansprüche gestellt.
  • Sie sind sehr soziale Tiere und dürfen nur paarweise oder auch in kleinen Schwärmen gehalten werden. Eine Einzelhaltung von Wellensittichen ist abzulehnen.
  • Die kleinen Kerlchen sind kontaktfreudig, intelligent und können ausgesprochen lustige Familienmitglieder sein. Für ihre treusorgenden Besitzer sind sie trotz ihres finanziell geringen Wertes ebenso wichtig wie ein teurer und edler Großpapagei!
  • Käfig mit einer Grundfläche von mindestens 120 x 60x 100 cm für 2-4 Vögel ist erforderlich. Versteckmöglichkeiten und einer vielfältigen Einrichtung aus kleinen Stricken, Ästen, Kartons, Stofflappen und vieles mehr. Bitte überladen Sie den Käfig nicht mit sinnlosem Spielzeug (vor allem Plastikvögeln als Partnerersatz und Spiegel sind völlig unpassend) aus den Zoogeschäften.
  • Achtung: alle verzinkten und bleihaltigen Metalle führen bei Aufnahme durch Sittiche zu schweren, oft tödlich verlaufenden Vergiftungen. Auf Grund der weichen Struktur werden diese Metalle gerne benagt. Stecknadelspitzgroße Teilchen sind bereits eine tödliche Dosis. Hauptquelle zur Aufnahme ist der tägliche Freiflug in der Wohnung.
  • Standort an einem hellen, ruhigen Ort
  • Sitzstangen sollten aus Naturhölzern bestehen und wechselnde Durchmesser haben, Dicke von 1-2 cm.
  • Die Tiere müssen ihrem Nagebedürfnis Rechnung tragen können: Als Holzarten sind Weide, Haselnuss, Buche, nicht behandelte Obstbaumarten, Eberesche (gerne mit reifen Früchten) gut geeignet. Die Rinde sollte belassen werden. Nicht geeignet sind Nadelhölzer
  • Die ideale Temperatur ist tagsüber 18-25 Grad, nachts über 12 Grad. In Freivolieren mit beheizten Schutzräumen können die Temperaturen auch etwas tiefer liegen.
  • Sittiche sollten regelmäßig kontrollierten Freiflug erhalten, in der Regel mehrere Stunden am Tag. Ersatzweise ist auch die Haltung in einer Freivoliere möglich. Die eigentliche Voliere wird eher als Fress- und Schlafhaus benutzt.
  • Luftfeuchtigkeit: Sie sollte etwa bei 55-60% in der Wohnung liegen. Besonders im Winter führt die zu trockene Heizungsluft zu Atemwegserkrankungen. Stellen sie genügend Wasserverdunstungsschalen oder einen Zimmerbrunnen auf. Gute Dienste leistet auch ein größeres Zyperngras (Papyrus) in Käfignähe. Auch Wasser gefüllte Schalen zum Baden sollten angeboten werden.

Literaturtips

Arndt, T. (1999): Lexikon der Papageien; Arndt-Verlag, Bretten

Lantermann, W (2000): Graupapageien; Oertel & Spörer, Reutlingen

Robiller, F. (1990-1998): Papageien, 3 Bände, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart

Vins, T (1988): Das Wellensittichbuch; Alfeld

Low, Rosemarie (1983): Das Papageien-Buch; Eugen-Ulmer Verlag, Stuttgart

Schulungsordner Vögel  Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz e.V., Postfach 1110, 76707 Hambrücken, Telefon 07255/2800, Fax: 07255/8355  (sehr empfehlenswert)

Quellenangabe

Schulungsordner Vögel  Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz e.V., Postfach 1110, 76707 Hambrücken, Telefon 07255/2800, Fax: 07255/8355  (sehr empfehlenswert)