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Tierarztpraxis Schiele, Rosenheim Tierarztpraxis Dr. Schiele
Fachtierarzt für Kleintiere | Kardiologie

Lackermannweg 4
83071 Stephanskirchen
Tel: 08036-3033473
Fax: 08036-3039474


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Steckbrief Meerschweinchen

Fütterung

  • Meerschweinchen benötigen sehr viel Rohfaser in ihrer täglichen Nahrung. Sie nehmen täglich ca. 80 gr Futtermenge auf, die Nahrung sollte auf 6-8xtgl. Verteilt werden (in freier Natur nehmen die Tiere 60 - 80 kleine Mahlzeiten täglich auf)
  • Ergänzen Sie das Trinkwasser mit Vitamin C
  • Der Hauptnahrungsteil besteht aus frischem, duftendem Heu. Bitte achten Sie hier auf eine optimale Qualität. Schlechte Heuqualität oder gar Schimmelbildung führt zu schweren Gesundheitsschäden. Heu muss immer reichlich zur Verfügung stehen. 
  • Als Grünfutter eignen sich neben Karotten, Gurke, Petersilie auch Süßgräser und Kräuter (Löwenzahn, Spitzwegerich, Vogelmiere, Sauerampfer, usw.). Die gefütterte Menge sollte 30% der Menge an Heu nicht übersteigen. Besonders im Frühjahr sollte nicht zu rasch zu viel Grünfutter verabreicht werden.
  • Einige Pflanzen sind für Meerschweinchen giftig, z.B. Hahnenfußgewächse (als Heu unbedenklich), Wolfsmilchgewächse, Aste von Nadelhölzern und eine Reihe von Zimmerpflanzen (Weihnachtsstern, Rhododendron, Diefenbachia, Philodendron und einige weitere Arten)
  • Obst kann gefüttert werden (aber nur kleinere Mengen, da sehr energiereich und zuckerhaltig, besonders auf Birnen, Pfirsiche und Bananen sollte man verzichten)
  • Kohl führt leicht zu Blähungen
  • Trockenfuttermischung (handelsübliches Meerschweinchenfutter): Tiere sollten nie mehr als einen knappen Esslöffel als tägliche Ration bekommen, da bei Aufnahme von größeren Mengen Verdauungsstörungen und Verfettungen vorprogrammiert sind. Sie sollten in schweren Futtertrögen aus Ton angeboten werden. Eine rein pelletiertes Futter ist einer Getreide- und Pelletmischung vorzuziehen.
  • Die zahlreich im Zoohandel erhältlichen Stick und Leckereien für Meerschweinchen sollten nur sehr eingeschränkt verfüttert werden.
  • Vorsicht sollten Sie bei allen leichtverdaulichen oder energiereichen Nahrungsmitteln wie Brot, Nüssen, Milchprodukten (aus Milchdrops) und zuckerhaltigen Sachen (Honig) walten lassen. Sie können zu schweren Verdaungsstörungen führen.
  • Zum Spielen und Beknabbern eignen sich frische Zweige von Weiden, Haselnussträuchern und nicht behandelten Obstbäumen
  • Trinkwasser muss täglich frisch und in ausreichender Menge angeboten werden. Trinkflasche häufig mit heißem Wasser reinigen, um Algenbildung zu vermeiden.

LebenserwartungCa. 4 - 8 Jahre
Geschlechtsreife (männlich)60 Tage, weiblich: 28 - 35 Tage
Anzahl der Sexualzyklen14 - 18 Tage
Trächtigkeitsdauer59 - 72 Tage
Anzahl der Nachkommen2 - 5
Normale Körpertemperatur37,5° - 39,5° C
Herzfrequenz160 - 270/ min
Atemfrequenz in der Ruhe45 - 150/ min

Bitte beachten Sie: Dieser Tiersteckbrief will Ihnen nur die wichtigsten Basisinformationen zur Verfügung stellen. Eine eingehende Beschäftigung  (Lesen von weiterführender Literatur, Diskussionsforen im Internet) bei Kauf und Haltung von Meerschweinchen ist notwendig. 

Vorsorge

  • Impfungen werden bei Meerschweinchen nicht durchgeführt. Neu erworbene Tiere sollten auf äußerliche Parasiten kontrolliert werden (Haarlingsbefall und Grabmilben in der Haut - hier ist Juckreiz das entscheidende Symptom)
  • Eine tägliche Kontrolle der Futteraufnahme und des Kotabsatzes (Menge, Form, etwaiger vorhandener Geruch und Beschaffenheit) ist sehr wichtig: Veränderungen im Fressverhalten oder im Kotabsatz sind ernst zu nehmende erste Anzeichen einer Verdauungsstörung und bedürfen einer raschen Behandlung 

Besonderheiten

  • Meerschweinchen haben einen einhöhligen dünnwandigen Magen, der mit seiner dünnen Muskelwand nur sehr eingeschränkt zum Transport der Nahrung geeignet ist. Zum Weitertransport des Nahrungsbreies im Magen und Darm ist eine regelmäßige Futteraufnahme notwendig. Stoppt die Nahrungsaufnahme, bleibt der Nahrungsbrei im Magen-Darmtrakt liegen und vergärt - mit einer möglichen lebensbedrohlichen Verdauungsstörung. Meerschweinchen, die kein Futter mehr aufnehmen oder keinen Kot mehr absetzen, brauchen rasch eine tierärztliche Behandlung!
  • Die Zähne wachsen beim Meerschweinchen ständig nach und werden beim Kauen und Nagen der Nahrung fortlaufend abgenutzt. Zahnfehlstellungen, die eine gleichmäßige Abnutzung verhindern, sind eine mögliche Ursache für Tierarztbesuche und erfordern dann regelmäßiges Kürzen der Zähne (meist alle 4 Wochen). Auch Zahn- und Kieferabszesse werden durch Zahnanomalien begünstigt.
  • Die Tiere sind auf rohfaserreiche Nahrung spezialisiert und können mit ihrer Darmflora (Lactobazillen und Anaerobier) die Fasern aufspalten. Diese lebenswichtigen Darmbakterien sind sehr empfindlich auf bestimmte Antibiotika, weshalb hier ein Einsatz wohl überlegt und gut ausgesucht sein muss.
  • Meerschweinchen fressen regelmäßig ihren Blinddarmkot. Sie benötigen ihn zur Eigenversorgung mit Vitaminen, Eiweiß und Spurenelementen und zur besseren Ausnutzung der Nahrung. 
  • Eine regelmäßige Aufnahme von Vitamin C (ca. 10-15mg/kg Körpergewicht) ist wichtig und liegt zum Teil im Grünfutter vor. Eine Trinkwasserergänzung mit Cebion oder Ascorbinsäure hilft den Bedarf zu ergänzen. 
  • Artspezifische Duft- und Markierungsstoffe werden besonders bei männlichen Tieren in einer Ansammlung von Talgdrüsen über der Schwanzwurzel gebildet, die diese Hautregion über dem Becken oft fettig und verschmiert aussehen lassen (Kaudalorgan). Zusätzlich besitzen die Männchen noch links und rechts neben dem After zwei Hauttaschen (Perianaltaschen), die ein talgähnliches Sekret bilden, das vermutlich ebenfalls dem Markierungsverhalten dient.
  • Männliche Tiere markieren ihr Revier auch durch verspritzen von Urin
  • Meerschweinchen verständigen sich mit einem ganzen Repertoir an Lautäußerungen:
    • Purren (tiefer gurrender Laut) bei männlichen Tieren für Sexual- und Imponiergehabe
    • Gurren zur Kontaktaufnahme der Tiere untereinander
    • Quieken der Mutter zur Kommunikation mit den Kindern
    • Cirpen (hohes lautes Geräusch) bei Stress und Erregung

Haltung

  • Käfig mit einer Grundfläche von mindestens 120 x 60 cm, mit  Versteckmöglichkeiten, Schlafhaus
  • Standort an einem hellen, ruhigen Ort
  • als Einstreu eignen sich Kleintierspäne, Strohpresspellets, Holzgranulat, Stroh (gehäckselt) 
  • Geben Sie Ihrem Meerschweinchen mehrere Stunden Freilauf am Tag (Vorsicht bei Wohnungshaltung: angefressene Stromkabel, Teppichfransen und Plastikmaterialien bzw. -tüten können zu erheblichen Gesundheitsstörungen führen)
  • Sehr gut zur Gruppenhaltung eignen sich zwei bis drei weibliche Tiere oder auch zwei Weibchen und ein kastriertes Männchen. (Vorsicht: männliche Tiere können nach der Kastration bis zu vier Wochen lang noch Nachkommen zeugen!)
  • Meerschweinchen sind sehr gesellige Tiere  und sollten zumindest immer paarweise gehalten werden. Eine Einzelhaltung ist abzulehnen. Ebenso gehört die früher empfohlene gemeinsame Haltung von Meerschweinchen und Kaninchen nicht mehr zur artgerechten Unterbringung. Die Haltung von zwei nicht kastrierten männlichen Tieren (Böckchen) ist nicht möglich, ebenso zwei männliche Tiere zusammen mit einem Weibchen. Auch zwei kastrierte und aneinander gewöhnte Böckchen können nach ein bis zwei Jahren gemeinsamer Haltung plötzlich mit Kämpfen beginnen, die eine Trennung erforderlich macht..