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Tierarztpraxis Schiele, Rosenheim Tierarztpraxis Dr. Schiele
Fachtierarzt für Kleintiere | Kardiologie

Lackermannweg 4
83071 Stephanskirchen
Tel: 08036-3033473
Fax: 08036-3039474


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Steckbrief Hase / Kaninchen

Fütterung

  • Kaninchen benötigen sehr viel Rohfaser in ihrer täglichen Nahrung. Sie haben eine relativ schwach ausgeprägte Darmmuskulatur, d.h.: nur wenn oben genügend Futter gefressen wird, kann auch ein Kotabsatz erfolgen. So ist eine regelmäßige ausreichende Nahrungsaufnahme für eine intakte Verdauung von entscheidender Bedeutung.
  • Kontrollieren Sie bitte täglich den Kotabsatz Ihres Tieres: zu wenig, zu kleiner und fester Kot aber auch breiiger, übel riechender Kotabsatz sind ernste Anzeichen einer Verdauungsstörung und sollten Sie zu einer umgehenden Vorstellung bei Ihrem Haustierarzt veranlassen.
  • Rasche Futterumstellung werden schlecht vertragen und können zu erheblichen Magen-Darmstörungen führen
  • Der Hauptnahrungsteil Ihres Kaninchens besteht aus frischem, duftendem Heu. Bitte achten Sie hier auf eine optimale Qualität. Schlechte Heuqualität oder gar Schimmelbildung führt zu schweren Gesundheitsschäden.
  • Als Grünfutter eignen sich neben Karotten, Gurke, Petersilie auch Süßgräser und Kräuter (Löwenzahn, Spitzwegerich, Vogelmiere, Sauerampfer, usw.). Vorsicht: kein feuchtes oder angewelktes Futter und im Frühjahr nicht zu große Mengen an frischem Grünfutter geben.
  • Einige Pflanzen sind für Kaninchen giftig, z.B. Weihnachtsstern, Rhododendron, Wolfsmilchgewächse, Hahnenfußarten, Philodendron, Efeu, Goldregen, Wickenarten, Schöllkraut und einige weitere Arten
  • Obst kann gefüttert werden (aber nur kleinere Mengen, da sehr energiereich, besonders Bananen)
  • Mais sollte nur halbreif verabreicht werden!
  • Kohl führt leicht zu Blähungen, allerdings eignet sich Grünkohl gut zum Füttern und wird gerne aufgenommen
  • Rüben: rote Rüben und Futterrüben sind gute Nahrungsquellen, Zuckerrüben sind wegen des hohen Energiegehaltes weniger geeignet.
  • Trockenfuttermischung (handelsübliches Kaninchenfutter): Tiere sollten nie mehr als einen Esslöffel als tägliche Ration bekommen, da bei Aufnahme von größeren Mengen Verdauungsstörungen und Verfettungen vorprogrammiert sind. Es sollte in schweren Futtertrögen (Keramik oder Ton) angeboten werden.
  • Zum Spielen und Beknabbern eignen sich frische Zweige von Weiden, Haselnussträuchern und unbehandelten Obstbäumen
  • Trinkwasser muss täglich frisch und in ausreichender Menge angeboten werden. Trinkflasche häufig mit heißem Wasser reinigen, um Algenbildung zu vermeiden. Die Trinkwasseraufnahme eines 2kg Kaninchens beträgt ca. einen Viertel Liter Wasser am Tag
LebenserwartungJe nach Rasse und Größe 8 - 16 (20) Jahre
Geschlechtsreife6 - 12 Monate
Dauer des Sexualzyklus2 - 3 mal/Jahr
Dauer der Rolligkeit2 - 14 Tage
Trächtigkeitsdauer60 - 66 Tage
Anzahl der Nachkommen1 - 12
Normale Körpertemperatur37,5° - 39,0° C
Herzfrequenz80 - 120/min
Atemfrequenz in der Ruhe10 - 25/min

Vorsorge

  • Kaninchen können sich über Futter von im Freien gesammeltem Frischfutter (Löwenzahn, Gräser und Kräuter) sowie über Stechfliegen im Haus mit tödlichen Krankheiten infizieren, die durch Viren verursacht werden. Deshalb ist eine regelmäßige Impfung gegen Myxomatose und RHD (so genannte Chinaseuche) auch bei privat gehaltenen Kaninchen sehr wichtig. 
  • Die Impfung gegen RHD wird einmal im Jahr vorgenommen und ab der 8. Lebenswoche geimpft.
  • Die Impfung gegen Myxomatose muss 2-3 mal im Jahr vorgenommen werden und erfolgt mit der 8. bis 12. Woche. Beide Impfstoffe sind  mittlerweile sicher und gut verträglich. 
  • Eine tägliche Kontrolle der Futteraufnahme und des Kotabsatzes (Menge, Form, etwaiger vorhandener Geruch und Beschaffenheit) ist sehr wichtig: Veränderungen im Fressverhalten oder im Kotabsatz sind ernst zu nehmende erste Anzeichen einer Verdauungsstörung und bedürfen einer raschen Behandlung

Bei jungen oder vor kurzem übernommenen Kaninchen sollten Sie in jedem Fall ein bis zwei Mal eine Kotprobe auf parasitäre Infektionen in Ihrer Tierarztpraxis durchführen lassen. Kokzidien gehören hier zu den wichtigsten behandlungsbedürftigen Darmparasiten, die lebensbedrohliche Magen-Darmerkrankungen verursachen können.

Vorsicht bei stark haarenden Tieren: Übermäßige Aufnahme von losen Haaren aus dem Fell kann zu schweren Verdauungsstörungen führen.

Bürsten Sie Ihr Kaninchen regelmäßig während des Fellwechsels. Ein erster Hinweis sind Haarbeimengungen im Kot, die bei größerer Menge zu einem sogenannten Perlschnurkot führen können (siehe Bild unten).

Als Vorbeuge kann man regelmäßig kleinere Mengen Ananassaft (1-2ml pro kg/Kgw) mehrmals täglich verabreichen.

Achtung Madenkontrolle: Im Sommer legen Fliegen an warmen Tagen gerne ihre Eipakete an die Analregion der Kaninchen. Hier kommt es innerhalb von 24-48 Stunden zum Ausschlüpfen teils riesiger Mengen an großen Fliegenmaden, die sich in die Haut einbohren und dass Tier von innen heraus zerfressen. Kontrollieren Sie Ihre Tiere regelmäßig im Sommer auf einen etwaigen Madenbefall und sorgen sie dafür, dass die Analregion nicht zu stark feucht oder verschmutzt ist.

Besonderheiten

  • Die Zähne wachsen beim Kaninchen ständig nach und werden beim Kauen und Nagen der Nahrung fortlaufend abgenutzt. Zahnfehlstellungen, die eine gleichmäßige Abnutzung verhindern, sind wohl die häufigste Ursache für Tierarztbesuche und erfordern dann regelmäßiges Kürzen der Zähne (meist alle 4 Wochen). Auch Zahn- und Kieferabszesse werden durch Zahnanomalien begünstigt
  • Kaninchen fressen einen Teil ihres Kotes (so genannter Blinddarmkot - weich, länglich, teils schleimig und stärker riechend) direkt vom After weg. Dieser Kot wird zur Deckung des Vitamin- und Eiweißbedarfes benötigt und enthält wichtige Darmbakterien zur Gesunderhaltung der Darmflora.
  • Der Urin bei Kaninchen ist je nach Fütterung von dunkelbraun über rot (Löwenzahn) und violett (rote Rüben) gefärbt. Er wird häufig zum Reviermarkieren verspritzt.
  • Kaninchen gehören zu den Hasenartigen, der Ausdruck Zwerghase ist eigentlich falsch
  • Sie sind primär nachtaktive Tiere, verlassen aber auch tagsüber ihren Bau
  • Familien bestehen aus einem Männchen (Rammler) und mehreren Weibchen, sowie den Jungtieren
  • Große Rassen (dtsch. Widder, dtsch. Riese und Riesenschecke) kommen auf bis zu 75cm Körperlänge und 6-7kg Körpergewicht
  • Kaninchen werden als Nesthocker nackt, blind und taub geboren (im Gegensatz zum "echten" Feldhasen)
  • Sie können recht gut sehen und rote und grüne Farbtöne unterscheiden

Haltung

  • Käfig mit einer Grundfläche von mindestens 140 x 60-80cm, mit Versteckmöglichkeiten (Holzhäuser, Tunnel, größere Röhren) Standort an einem hellen, ruhigen Ort
  • als Einstreu eignet sich Kleintierspäne, Strohpresspellets, Holzgranulat, Stroh oder Rindenmulch 
  • Einzelhaltung sollte vermieden werden, besser ist ein Kaninchenpaar. Wurfgeschwister lassen sich gut zusammen halten, ebenso ein kastrierter Rammler und eine Häsin.
  • Eine Gemeinschaftshaltung von nicht kastrierten Rammlern führt zu ständigen Rangkämpfen und ist abzulehnen. 
  • Erwachsene Tiere lassen sich oft nur schwer aneinander gewöhnen
  • Häsinnen können ein ausgeprägtes Revierverhalten und erhöhte Aggressivität gegenüber dem Menschen bei Annährung an den Käfig zeigen
  •  Aus medizinischen Gründen ist auch eine Kastration der weiblichen Kaninchen (Häsinnen) anzuraten, da es hier ab dem 2. Lebensjahr zu häufigen Veränderungen der Gebärmutter kommt, besonders problematisch eine erhöhte Neigung zu Tumorbildungen
  • Optimal sind mehrere Stunden Freilauf am Tag (Vorsicht bei Wohnungshaltung: angefressene Stromkabel, Teppichfransen und Plastikmaterialien bzw. -tüten können zu erheblichen Gesundheitsstörungen führen)